Autor: Dennis Thema: 4N1 Getriebe-Überholung (Hauptwelle)  (Gelesen 1157 mal)

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Offline Dennis

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4N1 Getriebe-Überholung (Hauptwelle)
« am: 07.08.2020, 03:14:54 »
Hallo zusammen,

ich habe mal eine Frage an die Profischlosser unter euch (aber auch an jeden der mehr Ahnung hat als ich) ;)
Ich restauriere grade einen 4N1, genauer bin ich grade am Getriebe. Ich habe alles auseinander und mir erstmal einen Gesamtüberblick verschaft. Die meisten Teile sehen noch gut aus. Nur die Hauptwelle macht mir Sorgen.

4N1 Getriebe-Überholung (Hauptwelle) - IMG_0640.jpg4N1 Getriebe-Überholung (Hauptwelle) - IMG_0645.jpg
Wie ihr auf den Bildern sehen könnt, hat sich das Kegelrollenlager am hinteren Ende "gelockert" und ist wohl unter Last im Gussblock zum rotieren gekommen. Dabei wurden zum einen spürbare Rillen in die untere Guss-Fassung gefräßt, zum anderen hat es aber auch den Zwischenring hinter dem Lager begonnen zu zerschleifen.

4N1 Getriebe-Überholung (Hauptwelle) - IMG_0716.jpg
Durch das neue Spiel auf dieser Seite und den Druck nach vorne, hat sich dann die Hauptwelle weiter nach vorne schieben können und somit auch das Nadellager in der Kupplungswelle unter mehr Druck gesetzt. Dieses hat sich leider deutlich in die Hauptwelle eingerieben.

Jetzt meine Frage: Welche Art von Schlosser-Magie kann man an dieser Stelle vollführen?
Den Zwischenring austauschen um das Spiel wieder zu erreichen und ein neues Kegelrollenlager einkleben? Wird das halten?
Was kann ich am anderen Ende machen? Ich habe mal in einer Oldtimer-Praxis von aufschrumpf-Verfahren gelesen? Ist das der Beste Weg hier?

4N1 Getriebe-Überholung (Hauptwelle) - IMG_0733.jpg
Auch hat die Kupplungswelle leider bereits zwei halbe Zähne verloren. Ich denke da wird man nicht viel machen können, oder?

Wäre super, wenn ihr mir helfen könntet.

Grüße,
Dennis

Offline halihalo

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Re: 4N1 Getriebe-Überholung (Hauptwelle)
« Antwort #1 am: 08.08.2020, 20:19:35 »
Salü Dennis

Ich habe mich in letzter Zeit auch etwas mit dem ZF A10 Getriebe beschäftigt. Ob das Einkleben eines neuen Kegelrollenlagers wird, wage ich zu bezweifeln. Die sauberste Lösung wäre den Lagersitz auf der Fräsmaschine "auszuspindeln" (d.h. nachfräsen/drehen) und eine eine Büchse mit etwas Übermass einzukleben. Ob das Nachbearbeiten des Lagersitzes und Aufspannen auf der Fräsmaschine überhaupt möglich ist, kann ich aus der Ferne nicht beurteilen.

Bezüglich dem Nadellagersitz auf der Haptwelle gibt es heutzutage sehr gute Verfahren um solche Lagersitze metallisch Aufzuspritzen und Nachzuschleifen, um sehr verschleissfeste Lagersitze zu erhalten.

Oftmals ist es aber kostengünstiger wenn man ein passendes gebrauchtes Ersatzteil auftreiben kann. Die ZF A10 Getriebe wurden nicht zehntausenfach verbaut und sind daher heute relativ selten geworden. Da gestaltet sich die Ersatzteilsuche nicht so einfach. In deinem Fall betrifft der Schaden die Hauptwelle mit Pignon. D.h. konkret, dass du nicht einfach nur die Hauptwelle mit dem Pignon ersetzen kannst, sondern auch das gepaarte Tellerrad mitwechseln musst.

Hier verkauft ein netter Herr (ist auch im Forum aktiv als "Andy 4S2") noch übrig gebliebene Ersatzteile von einem geschlachteten ZF A10 Getriebe aus einem MAN A25A.

https://www.ebay-kleinanzeigen.de/s-anzeige/man-ackerdiesel-zf-a10/1291266309-276-17584

Wichtig: Es gibt zwei verschiedene Ausführungen der Hauptwelle, eine mit Kriechgang und eine ohne. Die Hauptwelle mit Kriechgang ist deutlich länger. Wie auf den Fotos im Inserat zu erkennen ist, wird hier die lange Hauptwelle (mit Kriechgang) angeboten. Welche Ausführung du besitzt kann ich auf deinen Fotos nicht erkennen.

Bei der Kupplungswelle gehe ich davon aus, dass du ein Getriebe mit Lamellenkupplung besitzt?!
Falls du hier auch ein Ersatzteil suchst ist hier zu beachten, dass das beschädigte Zahnrad zusammen mit dem oberen Doppelzahnrad (falls Getriebe mit Kriechgang) die Getriebeübersetzung bildet. Hier gibt es bei MAN zwei Ausführungen: Eine schnellere Übersetzung für Schnellgang (Ausführung E) oder die normale Ausführung A (20 km/h). Bei anderen Herstellern, z.B. Eicher, gab es noch andere Übersetzungen  wie z.B. Ausführung C.

Nun wünsche ich dir viel Erfolg bei deiner Restauration. Du darfst gerne unter der Rubrik "Restaurierungsberichte" ein Thema eröffnen und uns dein Projekt näher vorstellen. Denn der 4N1 zusammen mit dem fortschrittlichen ZF A10 Getriebe ist ein sehr Interessanter Traktor!  ;)

Freundliche Grüsse aus der Schweiz

Fabian







Offline Dennis

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Re: 4N1 Getriebe-Überholung (Hauptwelle)
« Antwort #2 am: 18.08.2020, 00:01:22 »
Moin Fabian,

vielen Dank für deine ausführliche Antwort ;)
Auje, die Fräsmaschine hatte ich gehoft zu vermeiden, aber ich denke wir werden uns wohl mal in der Gegend schlau machen.
Wenn man das Getriebe nun schon einmal so in seinen Einzelteilen hat, dann soll auch alles nach bestem Gewissen überarbeitet werden.

Das Getriebe ist in der Tat eines mit einem Kriechgang und einer Lamellenkupplung. Letztere wird noch spannend, da wir neue Beläge brauchen, aber das liegt noch vor uns.

Ich teile durchaus deine Faszination für den 4N1 und dieses Projekt soll nach bestem Gewissen einmal vollendet werden, das ZF A10 hat allerdings auch ein paar durchaus fragwürdige Ecken. Die innenliegenden Bremsen und die Konstruktion des Allrad-Antriebs zum Beispiel :)
Ich bin mir nicht sicher, ob ich es zeitlich einmal schaffen werde, einen Restaurierungsbericht zu verfassen. Das Forum ist allerdings eine tolle Wissensquelle!

Grüße,
Dennis

Offline Dennis

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Re: 4N1 Getriebe-Überholung (Hauptwelle)
« Antwort #3 am: 27.08.2020, 13:33:02 »
Moin zusammen,

kleines Update zum Sitz des Kegelrollenlager:
Eine mir empfohlene Maschinenfabrik hat mit guter Begründung die Arbeit verweigert :(

4N1 Getriebe-Überholung (Hauptwelle) - 1E44BDE5-5730-4CDD-A6B0-B4A4841AA7C3.jpg
Wie auf dem Bild zu sehen ist, liegt die Bohrung der Hauptwelle sehr dicht an der des Vorgeleges darüber. Mir wurde nun gesagt das dies zu wenig Material (9 mm) zwischen den beiden Bohrungen sei und der Guss beim einsetzen einer Büchse vermutlich reißen wird.
Die Büchse hatte man mit einer Wandstärke von 5 mm geplant. Dünnere würden sich unter Belastung verformen.

Ist die beste Methode nun doch ein Versuch es zu kleben? Bzw. ein Ersatzteil?  :o
Ich bin durchaus überrascht von dieser Antwort... Vielleicht habt ihr ja noch eine Idee oder Erfahrungen gemacht?

Grüße,
Dennis


Offline hobbyman

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Re: 4N1 Getriebe-Überholung (Hauptwelle)
« Antwort #4 am: 27.08.2020, 20:36:51 »
Abend Dennis,
Am besten du siehst dich um nach ein anderes Getriebe oder Gehäuse.
Die Maschinenfabrik hat Recht, es ist ein zu großes Risiko.
Ein Stück der Sicherung ist auch noch rausgebrochen, wenn du mit ein gutes Gefühl fahren
möchtest, dann auch mit ein gutes Gefühl reparieren.
Aber in diesem Fall ist Ersatz die beste Wahl.
Viel Erfolg und beste Grüße.
Michael.

Offline Dennis

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Re: 4N1 Getriebe-Überholung (Hauptwelle)
« Antwort #5 am: 29.08.2020, 19:00:36 »
Hallo Michael,

Vielen Dank für deine Antwort.
Ich sehe es wie du und möchte die Restaurierung so gut es geht durchführen. Der 4N1 soll danach zwar keine schweren Einsätze mehr haben, aber trotzdem soll es so perfekt wie möglich sein.
Ein neues Gehäuse wird natürlich nicht leicht zu finden sein, denke ich.
Vor einiger Zeit hatte ich noch eines bei ebay Kleinanzeigen gesehen und sogar schon Kontakt aufgenommen, aber da wußte ich noch nicht das ich es komplett brauchen würde.
Ich höre mich mal um. Falls jemand eines hat, dann meldet euch gerne per PM bei mir.

Grüße,
Dennis

Offline MAN-fantast

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Re: 4N1 Getriebe-Überholung (Hauptwelle)
« Antwort #6 am: 29.08.2020, 19:34:02 »
Hallo Dennis,

ich habe eben für Teilegewinn ein ZF A-10 aus einem 4N1 komplett ausgeräumt.  Das Gehäuse finde ich ganz in Ordnung.  Das Problem ist wohl Standort Norwegen und die derzeit dichte Grenzen....
Schönen MAN-Gruß aus Norwegen

Magne

Offline Dennis

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Re: 4N1 Getriebe-Überholung (Hauptwelle)
« Antwort #7 am: 30.08.2020, 20:35:07 »
Hallo Mange,

das klingt abenteuerlich, aber warum nicht ;)
Lass uns gern mal per PN schreiben.
Ich bin nach den Meldungen von der Maschinenfabrik für vieles offen.

Grüße,
Dennis